Das hatten sich die Faustkämpfer des Delmenhorster TV sicherlich ganz anders vorgestellt. Doch die im ostfriesischen Norden ausgetragenen niedersächsischen Landesmeisterschaften im olympischen Boxen standen aus ihrer Sicht unter keinem guten Stern. Keiner der fünf in den Finalkämpfen angetretenen Faustkämpfer aus der Delme Stadt durften sich als neue Landesmeister feiern lassen.
Am unglücklichsten über ihre Niederlage war sicherlich Arbnora Rashiti, die ihren Finalkampf am Sonntag im Leichtgewicht (bis 60 Kilogramm) mit 2:3 Kampfrichterstimmen gegen Adelina Canjeu (FuS Cloppenburg) knapp verlor.
„Ich bin über dieses Urteil schwer enttäuscht, das ist so unfair“,
sagte sie unter Tränen nach dem Kampf. Auch ihr Trainer Leonid Jankilewitsch war über das knappe Kampfrichterurteil nicht gerade erfreut:
„Arbnora war die aktivere Kämpferin, die Initiative ging überwiegend von ihr aus. Leider haben das einige Punktrichter nicht so gesehen“.
Trösten kann sich die DTV Kämpferin mit ihrer Einladung zu einem Vorbereitungslehrgang für die deutschen Meisterschaften im Olympiastützpunkt Hannover.
Ohne Chance hingegen hatte der diesjährige Weser-Ems Meister Tarek Arkan in seinem Halbschwergewichtskampf (bis 80 Kilogramm) gegen den mehrfachen deutschen Meister Ramil Schäfer (BSA Hannover), der zu den besten deutschen Boxern in seiner Gewichtsklasse gehört. Trotz technischer und taktischer Unterlegenheit - Arkan wurde in der zweiten Runde nach einem Wirkungstreffer sogar angezählt - zeigte der Delmenhorster einen beherzten Kampf und setzte seinerseits einige Akzente.
„Aus dieser Niederlage gegen einen mit weit mehr als 50 Kämpfen sehr erfahrenen Gegner, geht Tarek gestärkt hervor. Daraus kann er sehr viel lernen“,
meinte Jankilewitsch. Arkan selbst gab sich nach dem Kampf durchaus selbstbewusst:
„Noch ein Jahr, dann schlag ich ihn“,
sagte er.
Bereits im Halbfinale einen Tag zuvor mussten drei weiteren DTV Boxer die Segel streichen. Die unglücklichste Niederlage bezog hierbei Halil Kortak, der 2022 im Cruisergewicht (bis 86 Kilogramm) die deutsche Meisterschaft in der Altersklasse U18 gewann. Seinerzeit gewann er trotz einer schmerzhaften Schulterverletzung, die er sich in der ersten Runde seines damaligen Finalkampfes zugezogen hatte, souverän den Meistertitel. Diese Verletzung erwies sich in der Folge als so schwerwiegend, dass der junge Faustkämpfer bis zu diesem Halbfinale in Norden keine Kämpfe mehr bestreiten konnte. In seinem Kampf im Superschwergewicht (über 90 Kilogramm) bezog er gegen Delil Yazgan (BSK Hannover-Seelze) eine knappe Punktniederlage.
„Zwei Runden hat Halil taktisch sehr gut gekämpft, seinen Gegner auf Distanz gehalten und lediglich in der dritten Runde etwas nachgelassen. Das hat ihn den Sieg gekostet“,
meinte der DTV Trainer. Immerhin erregte Kortak die Aufmerksamkeit des bei diesen Meisterschaften anwesenden Bundestrainers Valentin Silaghi, der dem Delmenhorster Faustkämpfer großes Lob zollte und ihn unbedingt bei den nächsten deutschen Meisterschaften im Ring sehen will.
Im Halbfinale des Superschwergewichts stand der DTV Boxer Cheik Diop gegen den Zwillingsbruder von Delil Yazgan, Dilvan Yazgan (ebenfalls BSK Hannover-Seelze) auf verlorenem Posten.
„Cheik hatte einfach einen schlechten Tag und klar verloren“,
meinte Jankilewitsch, der aber hinzufügte:
„Er ist sehr fleißig, sehr engagiert, ich bin sicher, er hat eine gute Zukunft.“
Der letzte der verbliebenen Delmenhorster Boxer, Samer Azem, musste aufgrund einer offensichtlich nicht auskurierten Krankheit bereits in der dritten Runde seinen Halbfinalkampfes gegen Abdullah Sharifi (BGK Hildesheim) im Weltergewicht (bis 65 Kilogramm) die Waffen strecken.
„Samer war nicht fit, aber er wollte unbedingt kämpfen. Hätte ich gewusst, wie krank er ist, hätte ich ihn nicht gemeldet“,
meinte sein Trainer.
„Gesundheit ist wichtiger als jeder Kampf.“