Delmenhorst. Der Traum von Olympia ist für viele Sportler ein großes, lebenslanges, aber auch für viele ein nicht zu erreichendes Ziel. Gleichwohl, die Teilnahme an den Olympischen Spielen wäre für nahezu jeden ambitionierten Sportler der Höhepunkt seiner Karriere und ein Traum, den er sich seit frühester Jugend erfüllen will. Und diesen Traum einmal bei diesem einzigartigen und für jeden Athleten unvergesslichen Ereignis dabei sein zu wollen, träumt auch Cheikh Diop vom Delmenhorster TV. Der 22-jährige Faustkämpfer, der dieses Jahr erstmals in der Eliteklasse den Landesmeistertitel im Superschwergewicht feiern durfte, ist aber auch realistisch genug, zu wissen, wie steinig und hart der Weg dahin ist, dieses Ziel zu erreichen.
„In die Nationalmannschaft zu kommen ist nicht unmöglich, aber um sich für olympische Spiele zu qualifizieren, ist noch ein weiter, langer Weg zu gehen“,
sagt er um hinzuzufügen,
„aber träumen ist doch nicht verboten. Und wann ich es nicht schaffe, dann werde ich halt Profiboxer“.
Aber um auch dahin zu kommen, stehen für den in Bremen lebenden Boxer bereits jetzt noch einige Hindernisse im Weg. Denn ausgerechnet in Niedersachsen hat es Diop derzeit gleich mit den besten deutschen Boxer in seiner Gewichtsklasse (über 90 Kilogramm) zu tun. Die Zwillinge Delil und Divan Yazgan (beide BSK Hannover-Seelze) sowie Amin Younes Ouchaou (Box Akademie Hannover) haben im letzten Jahr nicht nur in der Altersklasse U23, sondern auch bei der Elite die deutschen Meistertitel unter sich ausgeboxt. Und mit dem DTV Boxer Diop schickt sich nun ein Boxer aus der Delme-Stadt an, in diese Phalanx einzubrechen. Doch – und das ist ihm bewusst – einfach ist das nicht, denn im vergangenen Jahr bezog er im Halbfinale der Landesmeisterschaften gegen den späteren deutschen Meister Dilan Yazgan eine klare Punktniederlage. In diesen Tagen entscheidet sich, ob Diop vom niedersächsischen Landesverband für die deutschen U23 Titelkämpfe nominiert wird. In der Regel kann jeder Landesverband zu der DM maximal drei Boxer entsenden, nur in Ausnahmefällen, kann wohl davon abgewichen werden. Diops Trainer Leonid Jankilewitsch hofft sehr, dass der für die Nominierung zuständige niedersächsische Sportwart, Serkan Acar, einen Weg findet, seinen Schützling für diese Meisterschaften zu melden.
Zum Boxsport fand Diop erst vor fünf, sechs Jahren.
„Eigentlich hat mich seit meiner Grundschulzeit das Boxen fasziniert, ich wollte das immer schon machen. Aber meine Mutter war darüber nicht so glücklich, also habe ich es gelassen“,
erzählt er. Zwischenzeitlich probierte er sich im Alter von 14 Jahren im Rugby Sport, um dann doch durch einen Freund den Weg zum Faustkampfsport zu finden.
„Vor allem Muhammed Ali hat mich immer schon beeindruckt“,
bekundet Diop, der hinzufügt:
„Nicht nur seine boxerischen Erfolge und seine Art zu boxen haben mich fasziniert, vor allem sein gesellschaftliches Engagement, seine Menschlichkeit haben mir imponiert“.
Ali, der vielen Sportexperten zufolge, als größter Boxsportler aller Zeiten zu sehen ist, sorgte immer wieder für politische Schlagzeilen. Er lehnte öffentlich den Vietnamkrieg ab, verweigerte den Wehrdienst, was dazu führte, dass ihm der Weltmeistertitel aberkannt wurde und kämpfte Zeit seines Lebens gegen den in Amerika immer noch vorhandenen Rassismus gegen die Afroamerikaner.
In Oldenburg im Alter von 17 Jahren begann seine boxerische Laufbahn, die zunächst noch sehr holprig verlief.
„Als ich 2021 mit dem Boxen anfing, wog ich 145 Kilogramm, hatte eine richtige Plautze“,
berichtet er.
„Das hatte zur Folge, ich wurde bei meinen ersten Kämpfen richtiggehend belächelt, man traute mir nicht zu, dass ich das schaffe. Aber ich habe durchgehalten“,
so Diop. Und nicht nur das, nachdem er einige Kämpfe bestritten hatte, wurde ihm klar
„das Gewicht muss runter“.
Inzwischen wiegt er bei einer Körpergröße von 1,98 Meter 110 Kilogramm und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Seit 2024 wurde er dreimal in Folge Weser-Ems Meister und in diesem Jahr greift er als amtierender Landesmeister – sofern er nominiert wird- zwar nicht zu den Sternen, aber zumindest doch zu den deutschen Titelkämpfen.
Nach seinem sportlichen Engagement in Oldenburg landetet der Bremer schließlich beim JC Bushido Delmenhorst, der vor nunmehr fast zwei Jahren im Delmenhorster TV aufging.
„Delmenhorst hat in der Boxsportszene einen sehr guten Ruf. Zahlreiche gute Boxer, Landesmeister und deutsche Meister kommen von hier, deshalb wollte ich dahin“,
hebt Diop hervor und bekundet:
„Dieser Verein bietet dir alles und hat mit Jankilewitsch einen Weltklassetrainer, ich fühle mich hier richtig wohl“.
Neben seinem Training beim DTV fährt der Boxer öfter auch mal zu dem mehrfachen deutschen Meister und ehemaligen Europameister Nelvie Tiafah nach Kaarst, um gemeinsam mit dem inzwischen als Profiboxer aktiven Olympia Bronze Medaillengewinner zu trainieren und Sparring Wettkämpfe zu bestreiten. Dabei geht es darum, in einem kontrollierten Trainingskampf unter realistischen Bedingen, Techniken, Taktik und Kondition zu verbessern. Aber nicht nur mit Tiafah bestritt er bereits Sparringkämpfe. Auch mit Profiboxern in London und Wolverhampton traf er sich, um über gemeinsames Training und Sparring zu einem besseren Boxer zu werden.
Doch der Faustkampf ist für ihn nicht alles. Beruflich ist er als IT-Informatiker tätig und beginnt demnächst ein Studium in Wirtschaftsinformatik an der Bremer Universität. So gesehen, ist – sollte es mit einer Karriere als Profiboxer nichts werden – seine berufliche Zukunft als gesichert anzusehen.